Ergebnisse der BVL Arbeitsgruppe „Digitlaisierung im Lager“ betreut von Capgemini Consulting auf dem Deutschen Logistik Kongress 2017 vorgestellt

Capgemini Consulting hat 2017 gemeinsam mit der Bundesvereinigung Logistik (BVL) eine Arbeitsgruppe „Digitalsisierung im Lager“ initiiert. Auf dem Deutschen Logistikkongress im Oktober in Berlin wurden die Ergebnisse nun der Öffentlichkeit präsentiert.

Zielsetzung der Arbeitsgruppe
Im Zuge der steigenden Bedeutung der Digitalisierung beschäftigen sich nahezu alle Unternehmen mit der Frage, welche Strategie und konkrete Lösungen für sie sinnvoll sind. Dabei ist es oft unklar, wo der Nutzen der Digitalisierung liegt. Dies trifft auch auf die technologische Evolution im Lager zu. Viele Unternehmen in Deutschland stehen vor der Herausforderung, angemessene neue Lagertechnologien zu identifizieren. Das Angebot an etablierten und neuen Technologien ist groß, jedoch fällt es oft schwer, den Mehrwert vom Einsatz solcher Technologien zu bewerten.

Die BVL ist verpflichtet, sich neuen Themen anzunehmen und Ihren Mitgliedern Services und Know-How anzubieten. Vor diesem Hintergrund möchte die BVL mit der Arbeitsgruppe „Digitalisierung in der Lagerlogistik“ den Fokus auf Lagerprozesse legen, denn diese sind ein wesentliches Element des Wirkungsbereiches der BVL Mitglieder. Das Ziel der Arbeitsgruppe ist es, für die Mitglieder Lagertechnologien zu identifizieren und ihren Nutzen zu evaluieren. Die Untersuchung von Softwarelösungen stellte keinen Gegenstand dieser Arbeitsgruppe dar.

Die Arbeitsgruppe setzt sich aus Vertretern von 10 Unternehmen aus unterschiedlcihen Branchen zusammen – Automobilhersteller, Automobilzulieferer, Handelsunternehmen und Logistikdienstleister arbeiteten in der AG mit.

Vorgehensweise
Die Arbeitsgruppe wurde durch Capgemini moderiert und inhaltlich begleitet. Im ersten Schritt wurden relevante Technologien identifiziert, die dann auf Relevanz in den unterschiedlichen Prozessbereichen der Lagerhaltung untersucht wurden. Anschließend wurde ein Bewertungsschema definiert, das auf die einzelnen Technologien angewendet wurde.
Die Ergebnisse wurden in einem Webtool zugänglich für alle BVL Mitglieder zur Verfügung gestellt.

Abb.: Überblick Vorgehensweise

Die identifizierten Lagertechnologien wurden in Cluster eingeteilt, so daß die Vergleiche besser durchführbar wurden. Die Technologiecluster sind Einteilungen in Anwendungsbereiche wie z.B. Identifikation von Material.

Ein wesentlicher Schritt – und gleichzeitig ein kontrovers diskutierter Schritte – war die Zuordnung der Technologien zu den unterschiedlichen Lageraktivitäten (Prozess-Schritte). Die Arbeitsgruppe hatte durchaus unterschiedliche Erfahrungen bezüglich der Einsatztauglichkeit der Technologien gemacht, die zu einem Konsens gebracht werden mussten. Die gelang letztendlich in gemeinsamen Workshops mit tiefgehenden Diskussionen. Die Arbeitsgruppe kann während dieser Aktivität sehr schnell zu einer einheitlichen Meinung, dass Technologien, die in mehreren Arbeitsschritten im Lagerprozess eingesetzt werden können unterschiedlichen Nutzen schaffen können. Aus diesen Diskussionen wurden Steckbriefe für die einzelnen Technologien abgeleitet, die nun ebenfalls den BVL Mitglieder n zur Verfügung stehen.

Abb.: Steckbrief für die Technologie „optische Navigation“

Bevor nun die Bewertung der einzelnen Technologien durch die Experten der AG durchgeführt wurde, wurden alle Technologien den Einsatzbereichen im Lager zugeordnet. Die Bewertung erfolgt dann auf Prozessebene, so dass unterschiedliche Stärken und Schwächen der Technologien auch in der Bewertung berücksichtigt werden konnten.

Abb.: Übersicht der bewerteten Prozess-Einsatzbereiche

Die Bewertung selbst wurde anhand eines Nutzwertverfahrens durchgeführt. Hierbei wurden relevante Kriteriencluster gebildet, die es im nachhinein erlauben eine individuelle Gewichtung von Kriterien zu ermöglichen. Diese individuelle Gewichtung erfolgt im Online Tool, das über die BVL Webseite zugänglich ist.

Abb.: Bewertungskritierien für die unterschiedlichen technologien

Fazit
Die Arbeitsgruppe hat sehr intensiv die unterschiedlichen Möglichkeiten, die die Digitalisierung und Automatisierung im Bereich Lager bring diskutiert. Dabei war festzustellen, dass sich alle Unternehmen grundsätzlich mit Digitalisierung und Automatisierung beschäftigen, aber die Breite der Möglichkeiten in sehr unterschiedlicher Ausprägung genutzt wird. Dies ist unter anderen der Tatsache geschuldet, dass bei den beteiligten Unternehmen Kapazitäten, die sich mit innovativen Lösungen intensiv beschäftigen können, in sehr unterschiedlichem Maße zur Verfügung gestellt werden. So waren einige Teilnehmer der Arbeitsgruppe sehr gut über sämtliche Technologien informiert, während sich andere im Kern mit den gängigsten Technologien auskannten.

Die Diskussionen während der Arbeitsgruppentreffen haben gezeigt, dass generalisierte Empfehlungen schwierig abzugeben sind, da die Investitionsentscheidungen der unterschiedlichen Industrien stark unterschiedlich motiviert sind. So investiert beispielsweise ein produzierendes Unternehmen in Technologien, die langfristige und einsatzspezifische Anwendung finden und in Werksplanungen eingebunden sind. Dienstleister hingegen haben häufig, aufgrund der Vertragslaufzeiten, mittelfristige Planungshorizonte.

Generell war zu beobachten, dass die Unternehmen an soliden und praxiserprobten Lösungen interessiert sind und Lösungen einen hohen Reifegrad haben müssen, um für den Einsatz interessant zu sein. Experimentierbereitschaft war in der AG durchaus vorhanden, dann aber in geschätzten Bereichen, die das Tagesgeschäft nicht maßgeblich beeinträchtigen.

Bewertungskriterien für spezifische Einsatzempfehlungen von Technologien müssen einsatzspezifisch vorgenommen definiert werden. Die Arbeitsgruppe hat sehr ausführlich diskutiert, wie die einzelnen Technologien zu bewerten sind, so dass ein Nutzen für die BVL Mitglieder ableitbar ist. Die AG war sich einig, dass die klassischen Kriterien „Time-Cost-Quality“ auch bei der Bewertung der Technologien die Leitplanken darstellen müssen, allerdings war auch schnell klar, dass eine prozessabhängige Bewertung notwendig ist, denn mehrfach einsetzbare Technologien haben unterschiedliche Eigungsniveaus für unterschiedlich Prozesse.  Die Komplexität von einsatzspezifischen Handlungsempfehlungen erfordert das Kennen der individuellen Rahmenbedingungen. Somit muss jedes Unternehmen im Grunde eine individuelle Technologiebewertung vornehmen, und zwar im Lager-spezifischen Kontext.

Aus diesen Gründen stellt das entwickelte Online-Tool , das auf der BVL Homepage zugänglich ist eine erste Indikation von potentiell interessanten Technologien für eine weitere Betrachtung zur Verfügung. Die Arbeitsgruppe erhebt nicht den Anspruch eine komplette Auflistung aller Technologien anzubieten noch eine konkrete Handlungsempfehlung für Individualfälle abzuleiten. Die aufgearbeiteten Ergebnisse und Informationen der AG dienen einer Orientierung im Umfeld der Digitalisierung und Automatisierung im Lager und soll den BVL Mitgliedern einen als unterstützender Informationspool dienen.

Online Tool: https://digitaleslager.bvl.de

Ansprechpartner: Ralph Schneider-Maul
E-Mail: ralph.schneider-maul@capgemini.com


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